Tiergestützte Therapie

Der Einsatz von tierischen Co-Therapeuten in der ambulanten und in der klinischen Psychotherapie leistet wertvolle ergänzende Arbeit. Voraussetzung hierfür sind die tiergerechte Haltung, die Einhaltung von Hygienevorschriften und die Gewährleistung der Sicherheit von Tier und Mensch.

Manches, aber nicht jedes Tier hat Freude und die Fähigkeit, in einer Psychotherapie als Co-Therapeut tätig zu sein. Es gibt Tiere, die die therapeutische Arbeit gut und gerne machen und man kann erleben, wie sie eigenmotiviert und kompetent eingreifen. Meist sind es Hunde oder Katzen, auch Pferde eigenen sich sehr. Hierbei ist es wichtig, dass das Tier einen Wirkungsbereich der Psychotherapie ausmacht und nicht permanent im Fokus des Geschehens steht. 







Prinzipiell können durch die Präsenz des Tieres im psychotherapeutischen Setting:

  •     die direkte und nicht bewertende Zuwendung des Tieres erfahren werden
  •     Vertrauen zu dem Tier gewonnen werden
  •     Empathie gefördert werden
  •     Emotionen geweckt werden
  •     Nähe und Wärme gelernt und zugelassen werden
  •     Trost empfangen werden 
  •     taktile Reize durch streicheln und spielen eingesetzt werden

So wirk die Tiergestützte Therapie:

Grundsätzlich wirkt der tierische Kollege durch das Angebot der Non-verbalen Kommunikation und die Aktivierung der unbewussten Ebenen psychischer und körperlicher Strukturen im Menschen. Zudem verändert das Tier durch seine Präsenz die Interaktionsstruktur, da jetzt ein Dritter im Raum ist. Somit erleben viele Patienten/Klienten die sprachlichen Kommunikationsangebote des Behandlers weniger konfrontativ, da sie über das Tier ein erweitertes Kommunikationsangebot erhalten. Zudem kann gerade am Anfang einer Psychotherapie über das Tier die verbale Kommunikation zwischen Behandler und Behandeltem beginnen. Oder der Patient/Klient legt seine Stimmung oder Meinung dem Hund in den Mund, da er sich noch schämt, etwas als "seins" vor dem Therapeuten zu vertreten.

Auch als atmosphärischer Feedbackgeber verhält sich das Tier, d.h. es verhält sich der Stimmung im Behandlungszimmer entsprechend und spiegelt Therapeut und Patient/Klient die Atmosphäre im Raum wieder. So kann das Tier aufmerksam schauen, friedlich schlafen, nervös wirken, umhergehen, beim Patienten oder beim Therapeuten sitzen, raus wollen usw.. Das kann dann Thema zwischen Behandler und Behandeltem werden und zu wichtigen und wertvollen Erkenntnissen und Prozessen führen. Im klassischen psychotherapeutischen Kontext kann der das Tier dem Patient/Klient somit Hilfs-Ich, Selbstobjekt, Projektionsfläche, Identifikationsobjekt, Übertragungsobjekt oder auch Spiegel sein. Beispielhaft für diese Funktionen sind Sätze von Patienten wie: 

„der Hund hat ja oft so eine Stimmung wie ich“

„der Hund freut sich schon die ganze Woche auf mich“

„der Hund hat so einen traurigen Blick"

„der Hund möchte von mir gestreichelt werden, vielleicht bekommt er zuwenig Zuwendung?“

„der Hund möchte sicherlich lieber spazieren gehen, als hier mit uns zu sitzen."

„der Hund findet mich heute total langweilig“.

Maßgebend ist der individuelle Behandlungsplan

Psychotherapeuten entscheiden bewusst, ob und wie oft der Co-Therapeut Tier beim jeweiligen Patient/Klient einsetzbar ist, im Sinne eines individualisierten Behandlungsplanes. Die Wirkung des Tieres erfolgt durch seine intuitiven und selbstständigen Angebote an den Menschen und nicht durch Anleitung und Vorgaben der Psychotherapeutin. Diese eigenständige  Wahrhaftigkeit des Tieres macht das Plus und die entscheidende Ergänzung für die Psychotherapie aus, denn diese „freie Arbeitsweise“ ist die wichtigste Interventionsstrategie in der tiergestützten Psychotherapie. Bei einigen Patienten/Klienten spielt das Tier nur eine untergeordnete Rolle, bei anderen hat es einen wichtigen und festen Platz im therapeutischen Prozess. Es bringt sich bei dem jeweiligen Patienten auch unterschiedlich ein und auch bei selbigen Patienten kann sich die Interaktionsdynamik Mensch - Tier verändern.

So ist es „als Dritter im Bunde“ eine zu reflektierende Komponente, d.h. Psychotherapeuten integrieren die Wirkung des Tieres in ihren Behandlungsplan und aktualisieren bzw. überdenken sie fortlaufend.

Zudem ist auch klar, dass sich die Arbeitsbeziehung Psychotherapeutin - Patient/in - Tier in ihrer Dynamik in jeder einzelnen Psychotherapie neu gestaltet.


Sprechen Sie mich bitte an, wenn Sie weitere Fragen zur Tiergestützten Therapie haben!


Dipl.- Psych. Katharina von Weiler
Psychologische Psychotherapeutin im Richtlinienverfahren „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“
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